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„Sinnhaftigkeit des Projektes ist massiv in Zweifel zu ziehen“
Amt der Tiroler Landesregierung stoppt Wallnöfers Tauernbachprojekt


Wallnöfer bekommt’s endlich eng von Seiten der Politik. Sie hat ihm ein Ultimatum gestellt. Wenn er bis Ende 2009 kein umsetzbares Projekt vorlegen kann, wird er in Pension geschickt. (Mehrfachpension versteht sich.) Daher setzt er jetzt alles auf eine Karte, die Karte Tauernbachkraftwerk. Dem hochverschuldeten Bürgermeister von Matrei hat er bereits den Mund wässrig gemacht, könnte die Gemeinde doch bei einer Einmalablöse sechs bis acht Millionen Euro einstreifen. Dazu wird es aber nicht kommen.

Was der Noch-TIWAG-Vorstandschef dort vorhat, ist nämlich von der Behörde schlicht nicht genehmigbar. Das erforderliche „öffentliche Interesse“ für sein Sommer-Kraftwerk (wo es europaweit Überschussstrom gibt, der mühsamst an der Börse verbettelt werden muss) kann Wallnöfer unmöglich nachweisen. Handelt es sich doch um eine „Vergeudung von Effizienzpotenzial“.
So zu lesen in der unveröffentlichten Stellungnahme der zuständigen Abteilung des Amtes der Tiroler Landesregierung zum Projekt „Ausleitungskraftwerk Tauernbach“.



Nix wird’s mit dem Spatenstechen für den TIWAG-Vorstand in Matrei!

Harscher hätten die Experten des Landes mit der jüngsten Tauernbach-Variante nicht um’s Eck fahren können, vernichtender hätte ihr Urteil gar nicht ausfallen können. Damit ist nicht nur Wallnöfers Notprojekt erledigt, sondern wohl auch er selbst.
Lesen Sie selbst:


Aus der Stellungnahme des Amtes der Tiroler Landesregierung
zum TIWAG-Projekt am Tauernbach


„Keine nachhaltige Strategie“

Der Tauernbach ist durch eine extrem ungleiche Verteilung der Abflüsse zwischen Winter- und Sommerhalbjahr gekennzeichnet. Während im langjährigen Durchschnitt nur rund 9 % des Wassers zwischen Oktober und März abfließen, sind es zwischen April und September bis zu 91 % und davon der überwiegende Teil wiederum nur in den Monaten Juni, Juli und August. Die Energieerzeugung eines Ausleitungs-Laufkraftwerkes am Tauernbach würde daher zum allergrößten Teil nur im Sommer stattfinden, in einer Zeit also, in der in Tirol ohnehin Überschüsse produziert werden. Mangels eines Speichers müsste diese Energie zwingend genau im Moment der Erzeugung zu welchen Preisen auch immer verkauft oder besser gesagt am Markt untergebracht werden. Damit mögen zwar gegenwärtig Gewinne entweder direkt oder im Umweg der Gewährleistung von Gegengeschäften (z.B. Importe zu Mangelzeiten) erzielbar sein, von einer langfristig nachhaltigen Strategie im Sinne einer Versorgungssicherheit bzw. einer möglichst großen Unabhängigkeit von ausländischer Versorgung kann aber keinesfalls gesprochen werden. Die (längerfristige) Sinnhaftigkeit des Projektes ist daher massiv in Zweifel zu ziehen, wobei insbesondere zu bedenken ist, dass große Wasserkraftanlagen eine Bestandsdauer von rund 100 Jahren aufweisen und daher auch entsprechend zukunftsorientiert konzipiert werden sollten.


„Option verschenkt“

Der Verzicht auf jede Form einer (Zwischen-)Speicherung bzw. auch nur vorübergehenden Wasserumlagerung womit also keineswegs eine Großspeicherung von Wasser gemeint ist - ist gleichbedeutend mit dem Verzicht auf selbst eine begrenzte Anpassung an die Erfordernisse und Chancen des Strommarktes, was einer Vergeudung von Effizienzpotenzial gleichkommt. Da u.a die heutigen Randbedingungen des Strommarktes zu einer steigenden Volatilität des Strompreise führen (sehr große Differenzen zwischen einzelnen Tagen oder fallweise auch nur Stunden) wäre bereits ein relativ kleiner Speicher geeignet, die Erzeugung wenigstens kurzfristig die Zeiten hoher Strompreise zu verschieben bzw. sich diesen Zeiten besser anzupassen. Ist keinerlei Speichermöglichkeit vorhanden (wie beim gegenständlichen Projekt), wird diese Option verschenkt, was zu entsprechenden Erlösdefiziten führen würde bzw. keine Erlösoptimierung zulässt. Eine Wasserkraftanlage ohne Speicherung stellt daher insbesondere unter den konkreten Gegebenheiten eindeutig eine suboptimale Lösung dar. Abgesehen von der Erlössituation würde jedoch auch aus gesamthafter energiewirtschaftlicher Sicht der zunehmend steigende Anteil an fluktuierenden erneuerbaren Energien (Wind und Solar) unbedingt einen flexibleren Einsatz einer viel besser steuerbaren Wasserkraftanlage erfordern.


„Sanierungsbedarf“

Beim derzeitigen Kenntnisstand muss davon ausgegangen werden, dass sich der Tauernbach in der Projektstrecke nur in einem „mäßigen" Gewässerzustand befindet, was einen Sanierungsbedarf gemäß den gesetzlichen Bestimmungen (auf Basis EU-Wasserrahmenrichtlinien) auslösen würde. Das gegenständliche Projekt wäre mit diesem Sanierungsbedarf nur schwer vereinbar.


„Kehrtwendung der Argumentation“

Glaubwürdigkeit bzw. Akzeptanz im Großen nicht gegeben, weil „Kehrtwendung" zu der seit 2004 (Optionenbericht) von Politik, TIWAG und Experten stets transportierten und (mehr oder weniger gut) kommunizierten Argumentation, dass die Nutzung der großen Wasserkraftressourcen in Tirol in Form von Speicherkraftwerken erfolgen muss, um den damit erzeugten Spitzenstrom in Fortführung der bewährten Energie- und Unternehmenspolitik des Landes zur tauschweisen Beschaffung der nötigen Grundlast einzusetzen.


„Gegnerschaft wird weiter Widerstand leisten“

Glaubwürdigkeit bzw. Akzeptanz ebenso im Kleinen nicht gegeben, weil die „Gegnerschaft" entweder den Wegfall eines Speichers (wie im ursprünglichen Projekt Raneburg-Matrei vorgesehen) als Teilerfolg werten und daher auch gegen das neue Projekt weiter Widerstand leisten oder aber vermuten wird, dass dieser Speicher im Nachhinein ohnehin gebaut werden soll, was den gleichen Effekt hätte.


Quelle: Amt der Tiroler Landesregierung (Abteilung Wasserwirtschaft/Energiewirtschaft)
Hervorhebungen im Original; Zwischentitel von uns



Ganz nebenbei gesagt: Das Ausleitungskraftwerk am Tauernbach ist auch nicht gedeckt durch den von der Landesregierung am 15. August 2005 beschlossenen Auftrag an die TIWAG, das Projekt Pumpspeicherkraftwerk Raneburg-Matrei voranzutreiben.


31.8.2009



Heftige Reaktionen:



Tiroler Tageszeitung, 2. 9. 2009


Kleine Zeitung, 1.9.2009

Kleine Zeitung, 2.9.2009




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